Gedanken für die Queen

In letzter Zeit war das Thema Rassismus sehr präsent, vor allem in den USA. Doch durch das Interview mit Meghan und Harry, der Herzogin und dem Herzog von Sussex, wurde deutlich, dass es auch Familien treffen kann, bei denen man es nicht erwartet hätte: so z. B. auch das englische Königshaus.

Ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht und mir ist immer derselbe Gedanke durch den Kopf gegangen: Es ist so ein großes Privileg „weiß“ zu sein. Ich musste mir beispielsweise keine Sorgen machen, ob mich jemand mit dem „N**-Wort“ beschimpft oder mir an den Kopf geworfen wird, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe weniger wert sei als eine andere Person. Auch musste ich nie die Frage beantworten, wo ich „wirklich“ herkomme. Ich finde es schockierend, wie lange ich die Augen davor verschlossen habe. Ich, als ein 14-jähriges Mädchen, konnte mir aussuchen, ob ich mich mit Rassismus auseinandersetzen möchte. Ein Mädchen im selben Alter mit einer anderen Hautfarbe hatte diese Möglichkeit nicht. Sie musste sich seit frühester Kindheit darauf vorbereiten, dass manche Menschen respektlos, gewalttätig, wenn nicht sogar rechtsradikal auf sie reagieren. Als ich einige Leute aus meinem Freundeskreis oder meiner Familie auf das Thema angesprochen habe, sind mir immer dieselben drei Fragen gestellt worden:

  1. Darf man jetzt nicht mal fragen, wo jemand wirklich herkommt?
    Meine Antwort: Wenn jemand mit einer anderen Hautfarbe bzw. als Person of Color in Deutschland lebt und dann von dir gefragt wird, wo dieser wirklich herkomme, sagst du damit aus, dass diese Person nicht dazu- bzw. nicht zur „Norm“ gehört.
  2. Was ist denn an dem „N**-Wort“ so schlimm?
    Meine Antwort: Dieses Wort hat eine mehr als beleidigende und verletzende Hintergrundgeschichte. Es hängt mit der Zeit zusammen als, man People of Color noch versklavt und nicht als vollwertiges menschliches Wesen gewertet hatte.
  3. Wieso fühlen die sich immer direkt angegriffen, wenn ich es doch nicht so gemeint habe?
    Meine Antwort: Das ist wie, als würde man dir mit aller Kraft gegen das Schienbein treten und dann sagen: „Es war nicht mit Absicht, also kann es dir auch nicht so weh tun.“ Das heißt, egal, ob du es so gemeint hast oder nicht, kann es dennoch verletzend sein.
    Ich frage mich immer öfter, wenn ich jemanden mit einer anderen Hautfarbe sehe, ob dieser schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht hat, und ich komme meistens zu dem Schluss, dass es sehr wahrscheinlich so sein muss. In unserer Gesellschaft ist Rassismus ein Tabuthema. Aber das sollte es nicht sein! Wieso sollten wir nicht darüber reden dürfen oder jemanden darauf hinweisen, dass er oder sie gerade eine rassistische Bemerkung gemacht hat? Weil wir so erzogen wurden oder werden, dass Rassismus einer Todsünde gleich kommt und wir uns stark angegriffen fühlen, wenn uns jemand auch nur im Entferntesten mit Rassismus in Verbindung bringt? Was sagt das über uns aus?

Gastautorin: Heidi Schlichter

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