Gebärdensprache? -Nie gehört!

 

 Eine Reportage von Myrtho Politis (EF) und Anna Heider (EF)

Was glaubt Ihr: Wie viele Menschen sind in Deutschland gehörlos? Wie viele Deutsche beherrschen die hierzulande verbreitete Gebärdensprache? – 200.000 Menschen können „Gebärden“ und davon sind ganze 140.000 auf diesen Kommunikationsweg angewiesen. Das heißt, dass nur jeder Vierte, der Gebärden kann, hörend ist und somit eine Verbindung zur hörenden Welt darstellt. Von denen wiederum sind nur 800 Menschen Gebärden-Dolmetscher.  

Diese Zahlen waren nur ein Beweggrund, warum wir auf dieses Thema aufmerksam machen wollen. Zufällig haben wir darüber geredet und gemerkt, dass wir beide sehr interessiert daran sind und auch gerne von schulischer Seite das Angebot hätten, Gebärdensprache zu erlernen. Daraufhin haben wir den Entschluss gefasst, einen Artikel darüber zu schreiben. Durch unsere Recherchen sind wir dann  auf einen Bildungskongress über das Thema „Bimodal-bilinguale Bildung verstehen, erleben und voranbringen“ gestoßen. Diesen haben wir dann vergangenen Freitag und Samstag, den 16. Und 17. April, online besucht. Insgesamt gab es 15 Vorträge, davon waren fünf aus Deutschland und die restlichen zehn aus Österreich und der Schweiz. Es wurden jeweils drei Vorträge aus jedem der drei Länder gehalten und abschließend gab es eine Fragerunde mit den jeweiligen Experten dazu. Die Vorträge wurden fast alle in Gebärdensprache gehalten und auch in die jeweilig anderen Gebärdensprachen übersetzt sowie auch vertont.  

Hinten links Moderatorin Liona Paulus, rechts hinten Dolmetscher*innen Christian Pflugfelder und Gudrun Hillert, vorne links technische Leitung Ngoc Mai Nguyen und rechts Helmut Vogel, Präsident des DGB sowie verantwortlich für den 4. Bildungskongress. 

Neben vielen weiteren sehr spannenden und informativen Vorträgen war für uns vor allem der Vortrag von Prof. Dr. Christian Rathmann und Christian Borgwardt über die schulische Bildung von großem Interesse. Dieser beinhaltete konkret die deutsche Gebärdensprache als Wahlpflichtfach in Deutschland einzuführen. Fünf Bundesländer, nämlich Brandenburg, Bayern, Hessen, Sachsen-Anhalt und Berlin, haben nach der Kontaktaufnahme mit der Kultusministerkonferenz Rahmenlehrpläne für die deutsche Gebärdensprache erstellt. Dieser Unterricht soll sich hauptsächlich mit visuellen Methoden gestalten lassen, bei denen eine zentrale Rolle das mediale Gebärden ist, das drei Schritte beinhaltet. Der erste ist die Informationsaufnahme, größtenteils durch Videos, danach kommt die Produktion, bei der ein Video aufgenommen wird, in dem man gebärdet und die gesammelten Informationen widergibt. Als letzten Schritt gibt es eine Feedbackrunde. Für die weitere Unterrichtsgestaltung wurden in Zuge des Projektes „De-sign-Bilingual“ Bi-Bi-Toolboxen entwickelt, welche Unterrichtsmaterialien als Impulse und Hilfestellung für die bimodale-bilinguale Bildung bereitstellen. Außerdem wäre die Professur eines Gebärdensprachlehrers auf dem Niveau B2 ideal. Es gibt jedoch noch keine Angaben über die Anzahl der benötigten Lehrer*Innen, da dieses Unterrichtsfach in deutschen Regelschulen noch nicht eingeführt wurde.  

Nicht nur die Inklusion im frühen Alter in Bildungseinrichtungen, sondern auch das alltägliche Leben in der Gesellschaft stellt einen wichtigen Aspekt im Leben Gehörloser oder Schwerhörigen dar. In der gesamten Schweiz wird das Projekt „Café des Signes“ umgesetzt, das von Stéphan Beyeler vorgestellt wurde. Bei diesem Projekt werden in Restaurants und Cafés an einem bestimmten Tag die hörenden KellnerInnen durch gehörlose KellnerInnen getauscht. Die Kommunikation zwischen Gästen und KellnerInnen erfolgt über Ipads, auf denen man für das gewünschte Getränk oder Gericht die entsprechende Übersetzung in Gebärden findet. Dadurch wird Hörbehinderten die Chance gegeben, für einen Tag in einem öffentlichen Café in ihrer Sprache mit hörenden Leuten zu kommunizieren, und den Hörenden, einzelne Bestandteile der Gebärdensprache und andere Sichtweisen kennenzulernen.  

Aber warum wollen wir genau darauf aufmerksam machen? – Durch eine geringe Sensibilisierung bzw. einen geringen Kenntnisstand, was die Kommunikation mit Gehörlosen anbelangt, werden diese weder in die Gesellschaft integriert noch inkludiert. Das sollte aber nicht so bleiben oder die Entschuldigung für die aktuelle Situation sein, sondern es sollte der Ansporn sein, etwas zu ändern.  Der Versuch, die deutsche Gebärdensprache als Wahlpflichtfach einzuführen, und viele andere Projekte sind erst der Anfang. Die Gehörlosen sind nur ein kleiner Teil der gehandikapten Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als in die Gesellschaft aufgenommen zu werden, ohne dauernd auf Hindernisse stoßen zu müssen.  

Besucht gerne die Website des Deutschen Gehörlosen-Bundes e. V. (http://www.gehoerlosen-bund.de/) oder die Seite des Bildungskongresses (https://bbbgs.net/) für weitere Informationen.  

Bild: Deutscher Gehörlosen-Bund e. V 

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