Der 8. Mai: Grund für einen Feiertag?

Heute vor 76 Jahren (8. Mai 1945) kapitulierte das dritte Reich vor den Alliierten. Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und weitere wurden schon Monate zuvor befreit. Der Nationalsozialismus in Europa wurde besiegt, doch trotzdem ist der Tag kein bundesweiter Gedenk- oder Feiertag. 

Warum eigentlich?  

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands (03.10.1990) galt in der DDR der 8. Mai tatsächlich als Feiertag, da diese zu dem Zeitpunkt von der UdSSR „gesteuert“ wurde. Nachdem die „Neuen Bundesländer“ ihre Unabhängigkeit wiedererlangt hatten, wurde diese sowjetische Tradition nicht beibehalten.  

Bis heute spalten sich die Meinungen anlässlich des Feiertages. Einige sind der Meinung, es sei wichtig, diesen Tag als Feier- bzw. Gedenktag zu nominieren, andere hingegen sind strikt dagegen. Das Hauptargument ist, dass die Deutschen die Täter waren und deshalb keinen Anspruch auf den Feiertag haben und diesen gar nicht erst als Tag des Sieges ansehen dürften.  

Aber auch der AfD-Politiker Gauland ist ein Gegner des Feiertages. „Man kann den 8. Mai nicht zum Glückstag für Deutschland machen […] es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit“, behauptet er. 

Allgemein steht der 8. Mai für Zwiespältigkeit, denn einerseits ist es ein wichtiger Tag der Weltgeschichte, doch andererseits befürchtet man eine „Umschreibung“ der Tatsachen. Einige sind der Meinung, dass es damals den Alliierten nicht darum ging, Deutschland zu befreien, sondern sich der Unterdrückung des Nationalsozialismus zu wehren. Außerdem gebe es schon genug weniger kontroverse Gedenktage. 

Nota bene: Das 75ste-Jubiläum, also der 08.05.2020, war in Berlin tatsächlich ein gesetzlicher Feiertag.   

Wie sieht es denn in anderen Staaten aus? 

Jeder hat mit Sicherheit schon einmal von dem 9. Mai in Russland gehört. Denn dieses Land prahlt gerne an diesem Tag mit seinen Waffen im Rahmen einer Militärparade. Tausende Soldaten, Veteranen und Kampffahrzeuge ziehen durch Moskau, währenddessen die Nationalhymne und Kriegslieder wie „Den Pobedi“ oder „Katysha“ gesungen werden. Ein weiterer Brauch an diesem Tag ist es, sich das sogenannte St.-Georgs-Band an die Kleidung zu heften. Darunter kann man sich eine schwarz-orange gestreifte Schlaufe bzw. Schleife vorstellen. Der 9. Mai wird so gut wie in jedem post-sowjetischen Land gefeiert.  

Doch warum der 9. und nicht der 8. Mai? 

Diese Frage lässt sich ganz leicht beantworten. Dies liegt daran, dass aufgrund der verschiedenen Zeitzonen zwischen Berlin und Moskau die Kapitulation nach der Moskauer Zeit kurz nach Mitternacht am 9. Mai stattfand. 

Was gehen die europäischen Staaten mit dem 8. Mai um? 

Am 8. Mai feiern Frankreich, Tschechien und die Slowakei das Kriegsende. Die Niederlande hingegen bereits am 5. Mai, da schon an diesem Tag die deutsche Besatzung endete.  

Was den einen oder anderen überraschen wird, ist, dass Polen tatsächlich nicht den 8. Mai feiert. Dies liegt daran, dass der 8. Mai ein ambivalenter Tag für unseren Nachbarn ist. Denn genau an diesen Tag begann für die Polen eine weitere Phase der Fremdherrschaft. Die sowjetischen Mächte unterdrückten das polnische Volk und es gab nichts von der versprochenen Befreiung. Bis heute ist das Verhältnis zwischen Russland und Polen angespannt und den 8. bzw. 9. Mai zu feiern wäre für sie wie eine nachträgliche Verbeugung vor Russland. 

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