Folge 2: Depressionen  

Ein Beitrag von Schulpsychologin Rosalie Engler in Zusammenarbeit mit der Redaktion der BlackOut 

Der Stress in der Klausurenphase, Streit mit den Eltern oder dem/der besten Freund*in, Liebeskummer, auch der Tod einer nahestehenden Person. In unseren Leben passieren immer wieder Dinge, die dazu führen, dass wir uns unwohl, niedergeschlagen, traurig, auch verzweifelt fühlen. In den meisten Fällen geht es uns mit ausreichend Zeit und Unterstützung wieder besser. Manchmal geht die schlechte Stimmung aber nicht wieder weg. Die davon betroffenen Personen können sich nicht mehr über schöne Dinge freuen, haben keine Lust mehr, etwas zu unternehmen. Oft erscheint alles grau und belanglos. Sie können sich zu nichts mehr aufraffen. Sie fühlen sich wertlos, haben manchmal auch Schuldgefühle. Sie gehen abends ins Bett und können nicht einschlafen, weil der Kopf voller negativer Gedanken ist. Tagsüber sind sie dann erschöpft, können sich nicht mehr konzentrieren. Damit man es ihnen nicht anmerkt, zeigen sie sich nach außen manchmal „normal“, was zusätzlich anstrengt. Manche Betroffenen sind so verzweifelt, dass sie darüber nachdenken, sich zu suizidieren, da sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.  

Man spricht in diesen Fällen davon, dass die Betroffenen an einer Depression leiden. Diese psychische Krankheit kann ganz unterschiedliche Formen annehmen und auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Es ist aber nicht immer leicht, zwischen einer Depression und einer normalen Reaktion auf eine belastende Erfahrung oder einen Verlust zu unterscheiden.  

Warum manche Menschen nach einer belastenden Erfahrung eine Depression entwickeln und andere nicht, ist noch nicht abschließend geklärt. Man geht davon aus, dass sowohl die Kindheit, vorausgehende Erlebnisse und traumatische Erfahrungen als auch Veranlagungen, die in der Familie liegen (Genetik), eine Rolle spielen. Laut einigen Statistiken entwickeln 16 bis 20 von 100 Personen einmal in ihrem Leben eine Depression oder depressive Verstimmung. Bei einer depressiven Verstimmung handelt es sich um eine weniger stark ausgeprägte Form einer Depression. Depressionen können bereits in sehr jungem Alter auftreten. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren kommt dies aber häufiger vor. 

Manchmal gibt es keinen direkt erkennbaren Auslöser für die Depression, sie kommt „wie aus dem Nichts“. Das kann auch eine körperliche Krankheit, beispielsweise eine Schilddrüsenkrankheit, verursachen. 

„Das wird schon wieder“, „Unternimm doch mal was Schönes“. Auch wenn sie gut gemeint sein mögen, helfen diese Sätze einer depressiven Person leider ebenso wenig wie „Stell dich doch nicht so an“ oder „Reiß dich mal zusammen“.  

Besser hört man Menschen, die an einer Depression leiden, ohne zu verurteilen zu und empfiehlt ihnen, sich professionelle Hilfe zu holen. Das ist nicht immer leicht, da die Betroffenen manchmal das Gefühl haben, dass sie gar keine Hilfe verdient haben oder man ihnen nicht helfen kann.  

Tatsächlich können Ärzt*innen und Psycholog*innen Menschen, die an einer Depression leiden, in den meisten Fällen sehr gut helfen, auch wenn die Behandlung meistens nicht sofort wirkt. Manchmal brauchen die Betroffenen eine „Auszeit“, um wieder gesund zu werden. Vielen hilft auch eine Psychotherapie. Für die positive Wirkung von Sport gibt es Belege. In besonders schweren Fällen können Ärzt*innen auch Medikamente verschreiben.  

Ganz besonders wichtig ist eine psychotherapeutische Begleitung für Menschen, die darüber nachdenken, sich das Leben zu nehmen. Dadurch, dass Suizid in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist, denken viele Menschen es wäre besser, nicht darüber zu sprechen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Sich mit seinen Gedanken und Gefühlen jemandem anzuvertrauen und professionelle Hilfe zu holen sind oft die ersten Schritte aus einer scheinbar ausweglosen Situation heraus. 

Wenn akut Gesprächsbedarf besteht, gibt es auch einige telefonische oder Online-Beratungs- und Gesprächsangebote, bei denen oft schnell und anonym geholfen werden kann. Ihr findet einige dieser Nummern unter diesem Artikel. 

Die Artikel dieser Reihe sollen einen kurzen Einblick in verschiedene psychische Belastungen liefern. Solltet ihr euch bei Themen wiederfinden, sprecht gerne entweder Frau Engler, das Beratungsteam oder eine Vertrauensperson an. Oft kann schon viel zum Besseren verändert werden, wenn man frühzeitig über seine Probleme spricht und Hilfe organisiert.  

Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533 

Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 

Telefonseelsorge: 0800 1110 111 oder 0800 1110 222 

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Antonia Luigs (Q2)
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