Der Verriss

Duell der Literaturkritiker: Q2er rezensieren den Gewinner des Deutschen Buchpreises

Von Tillmann Kimmerle

Das Blutbuch von Kim de l ́horizon ist ein Roman, der letztes Jahr mit dem Schweizer und dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden ist. Erschienen am 19. Juli 2022, handelt er von Kim, einer nicht-binären Person, welche in der Schweiz lebt und dort um eine Identität ringt.
Protagonist Kim fühlt sich zu anderen Männern hingezogen und kämpft gegen die starren Gesellschaftsgedanken an. In dem Roman geht es um seine Kindheit, die Entstehung und Bedeutung der Blutbuche, die weibliche Seite des Stammbaums und die Demenz der Großmutter, schweizerdeutsch: Großmeer.

Das Buch ist keineswegs schlecht geschrieben, um ganz ehrlich zu sein, ist es sprachlich sogar wirklich erfrischend und vielfältig. So gibt es immer wieder unterschiedliche Erzählperspektiven oder es gibt Teile, in denen die Sätze nur aus sieben Wörtern bestehen und dann nehmen die Sätze manchmal eine ganze Seite ein.
Das Buch ist also sprachlich, nicht zuletzt hinsichtlich seiner Metaphorik, wirklich auf einem hohen Niveau geschrieben, aber anstatt eines normalen „man“ wird das Wort „mensch“ benutzt. Zum einen finde ich es total verwirrend und es wirft einen komplett aus dem Lesefluss, obwohl sich das Buch an vielen Stellen häufig sehr schön lesen lässt. Andererseits verstehe ich nicht, warum man es dann nicht komplett durchgezogen hat, „mensch“ anstatt „man“ zu verwenden. Wo wir gerade schon beim Thema sind, wird in dem Roman auch sehr akribisch gegendert; was einen auch wiederum häufig aus dem Lesefluss wirft.
Zum Inhalt muss man sagen, dass er nicht leicht zu verstehen ist und man auch nie wirklich so richtig weiß, worum es geht. Dazu gibt es sehr viele Motive und zentrale Symbole (z.B. das Wasser bzw. Meer), die zum Teil sehr abstrakt sind. Dazu sind die Charaktere in dem Buch auch nicht wirklich sympathisch, man kann nicht gut mit den Personen mitfühlen und sich in diese hineinversetzen. Um ehrlich zu sein, finde ich die Großmeer und die Meer einfach nur nervig, das Kind tut mir leid und den Protagonisten finde ich eben einfach komisch.
Die Kapitel handeln in gewissem Maße immer von etwas anderem, und ich finde es eher langweilig, dass ein ganzes Kapitel über die Recherche der Blutbuche als Pflanze geschrieben wird. Auch wenn ich das Kapitel noch halbwegs am besten finde, da man in diesem noch so ziemlich die klarste und strukturierteste Timeline hat. Ein weiterer Punkt, der mich an dem Buch stört, ist, dass man nie wirklich weiß, wie man die Handlung in den Gesamtkontext des Buches einordnen soll.
Zum Autor muss man einfach sagen, dass er mich ein wenig verstört hat, als wir ihn bei einer Lesung im Kölner Schauspiel live erlebt haben. Ich wollte wirklich nach fünf Minuten gehen, weil mir das Bannkreislegen mit Salbeizweigen, die Vorstellung von ihm durch die Moderatorin und sein Instagram-Account wirklich zu viel waren.
In meinen Augen hat das Buch nicht verdient die Preise zu gewinnen, da es schon ein Buch für die Allgemeinheit sein sollte und ich mir gut vorstellen kann, dass die meisten Leute das Buch ebenfalls verstörend und anstrengend finden. Dennoch habe ich die anderen Bücher, die zur Auswahl standen, nicht gelesen und kann das dadurch schlecht beurteilen. Dennoch glaube ich, dass dieses Buch ausgezeichnet wurde, um teilweise auf die LGBTQ+Community aufmerksam zu machen und man es auszeichnen wollte, weil es ein Roman ist, in dem gegendert wird. Ich würde das Buch schon weiterempfehlen, da es aktuell ist und gut geschrieben, jedoch regt man sich auch etwas über das Buch auf und man könnte aufgrund der Schilderung so mancher Exzesse nach dem Lesen verstört sein.

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