Armenien und Türkei. Annäherung zweier Erzfeinde?

 

Historischer Hintergrund 

Das Verhältnis der beiden Staaten ist historisch und politisch stark vorbelastet. Dabei spielt der Völkermord in Armenien, der bis heute von der Türkei nicht anerkannt wurde, eine entscheidende Rolle. 

Im ersten Weltkrieg wurden rund 1,5 Millionen Armenier Opfer systematischer Tötung im Osmanischen Reich. Die heutige Türkei gibt zwar die Ermordung von 300.000 bis 500.000 Armeniern zu, lehnt jedoch die Einstufung als Völkermord ab. 

Im Jahr 1993 schlossen beide Staaten die Grenzen für die jeweilige Konfliktpartei und Armenien erhob ein Embargo (Verbot/Einschränkung im Außenwirtschaftsverkehr) gegen türkische Produkte. Dabei blieben jegliche diplomatischen Verhandlungen und Kontakte bis Dezember 2021 aus. 

2009 sollten die ersten Annäherungen und die Grenzöffnung zwischen Armenien und der Türkei stattfinden. Allerdings hatte der Verhandlungsprozess keinen Erfolg, da Aserbaidschan, ein Verbündeter der Türkei, Widerstand gegen die Verhandlungen leistete. 

Die Türkei pflegt schon seit langer Zeit enge Beziehungen mit dem Land Aserbaidschan, das ebenso mit Armenien verfeindet ist. 

Die Lage in der Region spannte sich immer mehr an, bis sie schließlich in einem weiteren Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2020 ausartete, im sogenannten „Krieg um Bergkarabach“. Bei dem Konflikt unterstütze die Türkei militärisch Aserbaidschan und Armenien erlitt eine schwere Niederlage. 

Auch 2021 kam es ein erneut zu Gefechten und Spannungen im Südkaukasus. 

Aktuelle politische Lage 

Armenien und die Türkei kündigten im Dezember 2021 an, bereit für eine Normalisierung der Beziehungen zu sein. 

Nach den ersten Verhandlungen in Moskau beschloss Armenien das Embargo gegen türkische Produkte nicht zu verlängern. Auch die Grenzen sollen wieder geöffnet werden. Außerdem möchte die türkische Fluggesellschaft Pegasus Airlines ab Februar regelmäßige Direktflüge von Istanbul nach Eriwan ermöglichen. 

Dadurch soll die Wirtschaft beider Länder gestärkt und die Isolation einiger Gebiete verringert werden. 

Beide Seiten wollten die Verhandlungen für den Anfang vorbedingungslos stattfinden lassen. Dies bedeutet, dass die Diskussion um Anerkennung des Völkermordes erst später, nach dem Erreichen von stabilen Beziehungen, möglich sein wird. 

Die Initiative hat allerdings keine Erfolgsgarantie. Denn sollte der Konflikt in Bergkarabach wieder entflammen oder es mögliche Proteste der türkischen Nationalisten gegen die Grenzöffnung geben, könnte dies die Verhandlungen beenden. 

Auch kurz vor der Verhandlung gab es Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, bei denen drei Soldaten ums Leben kamen. 

Angelina Aroutiounian (Q1) 

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